September 2023

Gegen die Kennzeichnung der Clara-Zetkin-Straße mit einem „Knoten“

Entgegen dem Antrag der Stadtverwaltung plädiert die Gemeinderatsfraktion der Tübinger Linken gegen die Kennzeichnung der Clara-Zetkin-Straße in Lustnau mit einem sogenannten „Knoten“. Dieser soll auf problematische Aspekte im politischen Wirken einer Person hinweisen, nach der eine Straße benannt ist. Neben zahlreichen Unterstützern des NS-Regimes soll nun auf Antrag der Stadtverwaltung auch die Sozialistin und Feministin Clara Zetkin mit einem solchen Knoten gekennzeichnet werden.

Gerlinde Strasdeit, Linke-Fraktion im Gemeinderat
Gerlinde Strasdeit, Linke-Fraktion im Gemeinderat

„Während das Andenken an Bismarck weiterhin ohne Knoten in der Bismarckstraße möglich sein soll, werden mögliche Verfehlungen von Clara Zetkin während der Revolution, die überdies unter Historikern umstritten sind, in den Vordergrund gestellt. Entweder brauchen wir deutlich mehr Knoten auch für andere Personen der Geschichte, oder aber dieser Knoten ist unangemessen und stellt Zetkin in eine Reihe mit Nazis“, ärgert sich Gerlinde Strasdeit von der Gemeinderatsfraktion der Tübinger Linken.

Daher hat die Linke Gemeinderatsfraktion am 19. September einen Antrag an den Gemeinderat formuliert, wonach die Clara-Zetkin-Straße „keine Knoten-Markierung am Straßenschild“ erhalten soll. Für den Fall, dass dieser Antrag erfolglos bleibt, hat die Fraktion einen weiteren Antrag vorbereitet: „Die Bismarckstraße erhält zusätzlich einen Markierungs-Knoten“.

Dieser Antrag endet mit der Begründung „Wenn die Stadt Tübingen einerseits Clara Zetkin mit einem Negativ-Knoten in die Nähe von Nazi-Verbrechen rückt und andererseits Bismarck historisch „freispricht“, wäre das mit zweierlei Maß gemessen und insofern auch ein politischer Skandal.“

Der Antrag im Original:
Zwei Änderungsanträge zur Vorlage 226/2023 vom 05.09.2023 (PDF)

Eine Kitastrophe

Gerlinde Strasdeit, Linke-Fraktion im Gemeinderat
Gerlinde Strasdeit, Linke-Fraktion im Gemeinderat

Tübingen bildet 16 neue ErzieherInnen in praxisintegrierter Form (PiAs) aus. Ein richtiger Schritt! Dennoch fehlt weiter Personal in den städtischen Kitas, mit drastischen Folgen. Nur noch vier von 43 Einrichtungen öffnen an fünf Wochentagen bis 16.30 Uhr. Eltern reduzieren ihre Arbeitszeit oder müssen wie im letzten Jahrtausend täglich schauen, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bekommen. Kollege Drake von den AL/Grünen kann nicht erkennen, dass in den letzten 20 Jahren grobe Fehler gemacht wurden. Oh doch! Das Problem ist nicht vom Himmel gefallen. Verdi und GEW sind schon vor zehn Jahren Sturm gelaufen für mehr pädagogische Fachkräfte. Uns Linken wurde bei den Haushaltsberatungen im Gemeinderat der Vogel gezeigt, wenn wir höhere Ausbildungsquoten forderten. Der Rechtsanspruch kam und die Stadtbevölkerung wuchs, ohne den Bedarf ständig anzupassen.

Um die Kitastrophe endlich in den Griff zu bekommen, braucht es eine Ausbildungsoffensive und eine Fachstelle Ausbildung. Das wäre besser, als 100 000 Euro ausgeben für eine fachfremde Werbeagentur. OB Palmer sollte das Problem zur Chefsache machen, statt Vorträge bei rechtslastigen Denkfabriken in Budapest zu halten.

Gerlinde Strasdeit, Stadträtin

«Clara Zetkin – eine rote Feministin»

Sonntag, 24. September 2023 20:00
Ort: Club Voltaire, Haaggasse 26b 72070 Tübingen
Veranstalter: Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg

Buchvorstellung & Gespräch mit Lou Zucker

Feminismus hat es in den Mainstream geschafft, doch dies hat bislang nur wenig zur Verbesserung der materiellen Verhältnisse von Frauen beigetragen. So fügt sich der aktuelle feministische Trend nahezu reibungslos der kapitalistischen Verwertungslogik: Modemarken verdienen mit «Girl Power»-Shirts während gleichzeitig die Lebensbedingungen der allermeisten Arbeiterinnen weltweit nach wie vor erdrückend schlecht sind. Vor diesem Hintergrund stellt die Journalistin Lou Zucker in einem Vortrag mit gelesenen Passagen aus ihrem Buch eine der Vordenkerinnen und Vorkämpferinnen der Internationalen Frauenbewegung vor: die kommunistische Feministin Clara Zetkin (1857-1933), die die Freiheit der Frau kompromisslos an die Freiheit aller Ausgebeuteten knüpfte und Frauenrechte und Arbeiterrechte stets zusammendachte.

Lou Zucker ist Journalistin und Autorin. Sie hat Sozialwissenschaften studiert, war freiberuflich unter anderem für die taz, Zeit Online und den Deutschlandfunk tätig und hat als Redakteurin für Der Spiegel und taz nord gearbeitet. Für die taz schrieb sie die Kolumne «hot und hysterisch». Im Februar 2021 erschien ihr Buch «Clara Zetkin – eine rote Feministin» im Eulenspiegel Verlag. Den Essay «Eine Frau geht einen trinken. Alleine» veröffentlichte sie im April 2023 im Maro Verlag.

«Clara Zetkin – eine rote Feministin»

Das Aktionsbündnis «Kein Knoten für Zetkin» kritisiert den Vorschlag der «Kommission zur Überprüfung der Tübinger Straßennamen», die Clara-Zetkin-Straße in Lustnau als «kritikwürdig» mit einem «Knoten» aus dem 3D-Drucker zu markieren. Die Entscheidung darüber wird voraussichtlich im Oktober im Gemeinderat gefällt. Auch hierüber soll informiert und diskutiert werden.

Veranstaltung in Kooperation mit dem Aktionsbündnis «Kein Knoten für Zetkin», dem DGB Region Neckar-Alb-Obere Donau und dem Club Voltaire