Bezuschussung der Neustart Genossenschaft

Vorlage 525/2026
Linke-Fraktion im Gemeinderat
Gerlinde Strasdeit, Gitta Rosenkranz,
Frederico Elwing, Tom Besenfelder

15.07.2026

Prüfantrag zur Möglichkeit einer städtischen Bezuschussung der Neustart Genossenschaft

Antrag:
Die Stadt Tübingen möge prüfen, ob und in welchem Umfang ein städtischer Zuschuss für das Projekt Neustart möglich ist.

Antragsbegründung:
Mit dem Projekt Neustart soll auf dem Areal Marienburger Straße ein gemeinwohlorientiertes, ökologisches und flächensparendes Wohn- und Lebensprojekt entstehen. Vorgesehen sind rund 160 bezahlbare Wohnungen, darunter 107 sozial geförderte Wohnungen mit langfristiger Mietbindung. Damit leistet das Projekt einen konkreten Beitrag zur Schaffung dringend benötigten bezahlbaren Wohnraums in Tübingen. Mit einem Anteil von rund 66 Prozent Sozialwohnungen übertrifft es die Vorgaben für den sozialen Wohnungsbau der Stadt Tübingen und hat mehr geförderten Wohnraum geplant als die anderen Projekte auf dem Marienburger Areal.

Die Neustart Genossenschaft verfolgt eine dauerhaft gemeinwohlorientierte Nutzung des Marienburger Areals. Boden und Wohnraum sollen dem privaten Eigentums- und Spekulationsmarkt entzogen werden. Bezahlbare Mieten, soziale Durchmischung, Gemeinschaft und gemeinschaftliche Verantwortung sind die Basis des Projekts. Damit entsteht Wohnraum, der langfristig dem sozialen Wohnungsmarkt erhalten bleibt. Besonders berücksichtigt werden vulnerable Haushalte mit Kindern, älteren Menschen, Menschen mit Unterstützungsbedarf, Geflüchtete sowie Personen, die auf dem freien Wohnungsmarkt nur schwer Zugang zu angemessenem Wohnraum finden. Durch unterschiedliche Wohnformen, gemeinschaftliche Strukturen und Kooperationen mit sozialen Trägern soll eine stabile Nachbarschaft entstehen, die gegenseitige Unterstützung ermöglicht und die soziale Infrastruktur im Quartier stärkt.

Als Ankernutzerin im Quartier übernimmt die Neustart Genossenschaft zudem Aufgaben, die über das eigene Wohnprojekt hinausreichen. Neben Wohnungen und internen Gemeinschaftsräumen sind Einrichtungen vorgesehen, die auch dem Quartier und der Südstadt zugutekommen, darunter ein Multisaal, eine konsumzwangfreie Cafeteria, Gästezimmer sowie weitere gemeinschaftlich nutzbare Räume. Damit trägt das Projekt zur Belebung und sozialen Versorgung des neuen
Quartiers bei.

Hinzu kommt, dass das Projekt mit besonderen finanziellen Belastungen verbunden ist. Anders als andere Vorhaben im Bereich Marienburger Straße Ost kann Neustart nach derzeitigem Stand nicht von einer vergünstigten Weitergabe des Bodens profitieren. Der Erwerb des Grundstücks zum Verkehrswert verursacht erhebliche Kosten. Zusätzlich entstehen aufgrund des schwierigen Baugrunds sowie der hohen Lärm- und Feinstaubbelastung weitere Sonderkosten, etwa für Gründung, Schallschutz und technische Lüftung.

Ohne eine städtische Unterstützung müssten diese Belastungen über höhere Einlagen und Mieten aufgefangen werden. Dies würde die soziale Zielsetzung des Projekts gefährden und könnte insbesondere die dauerhafte Sicherung bezahlbarer Mieten erschweren. Eine städtische Bezuschussung kann daher dazu beitragen, die gemeinwohlorientierten Ziele des Projekts zu sichern und die Umsetzung des vom Gemeinderat grundsätzlich unterstützten und für Tübingen notwendigen Konzepts zu ermöglichen.

Wir bitten die Verwaltung, dieses Konzept wohlwollend zu prüfen. Für Rückfragen und eine vertiefte Ausarbeitung stehen wir gerne zur Verfügung.

Linke-Fraktion
Gerlinde Strasdeit, Gitta Rosenkranz, Frederico Elwing, Tom Besenfelder