Andreas Linder, Linke-Kreisrat

Während sicher ist, dass die Baumärkte auch bei harten Corona-Einschränkungen offen bleiben, gilt dies für Ämter und Behörden überhaupt nicht. Diese Inkonsistenz (Kandidat für das Wort des Jahres!) bei den Corona-Regeln hat die Kundgebung „barrierefrei“ vom Donnerstag thematisiert.

Es ist verständlich, dass die Stadt den Zugang zu Ämtern während des Lockdowns im Frühjahr auf Terminvergabe und digital umgestellt hat. Es ist aber überhaupt nicht nachvollziehbar, warum daraus ein Dauerzustand werden soll. Es ist bei dieser Kundgebung deutlich gemacht worden, dass Terminzwang und die gepriesene Digitalisierung für viele Menschen eine sehr hohe Hürde darstellen.

Ich unterstütze Geflüchtete bei der ebenfalls gepriesenen Integration. Im Laufe des Jahres konnte man dabei den Eindruck gewinnen, dass (Ausländer-)Behörden, Jobcenter und andere. wie selbstverständlich davon ausgehen, dass ihre „Kund/innen“ zuhause ein vollausgestattetes Büro haben. Fakt ist, dass das Erfordernis der ausschließlich medialen Kommunikation viele Menschen überfordert hat und sie mehr denn je die Unterstützung von Menschen gebraucht haben, die das ehrenamtlich oder nicht vom Staat finanziert machen.

Und dann ist gar nicht sicher, ob das Amt auch erreichbar ist oder auf eine E-Mail antwortet. Häufige Konsequenz: Ewig lange Vorgänge, verpasste Fristen, Verlust von Ansprüchen, Verschuldung etc. Das ist Corona-Alltag für Menschen, die sprachlich oder technisch mit der schönen Digitalwelt nicht mithalten können.