Wohnen

PM: Linke lädt CDU zu gemeinsamem Kampf gegen Wuchermieten ein

Die Linke-Fraktion im Tübinger Gemeinderat zeigt sich verwundert über die Pressemitteilung der CDU-Fraktion. Statt der Bestrafung von Hausbesetzern fordert sie die Verfolgung von Wuchermieten.

Gemeinderätin Gitta Rosenkranz
Gitta Rosenkranz, Stadträtin

„Das Verhalten der CDU gegenüber der Hausbesetzung in der Kronenstraße verwundert mich sehr“, sagte Linke-Stadträtin Gitta Rosenkranz zur jüngsten, im Tagblatt verbreiteten Verlautbarung der CDU-Fraktion. Die Menschen hätten aus der Not heraus gehandelt. Viele Menschen fänden keine Wohnung in Tübingen oder zahlten die Hälfte ihres Einkommens und mehr für ihr Zimmer oder ihre Wohnung.

Tom Besenfelder, Stadrat
Tom Besenfelder, Stadrat

„Wenn die Tübinger CDU fordert:
„die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum dürfe ausschließlich auf dem Boden von Recht und Gesetz erfolgen“, stellt sich mir schon die Frage, wo denn die CDU ist, wenn Vermieter mit Wuchermieten die Mietpreisbremse oder das Wirtschaftsstrafgesetz brechen? Wir werden hier mehr Arbeitskräfte für die Verfolgung der Ordnungswidrigkeiten beantragen und freuen uns dabei über eine Unterstützung durch die CDU“, ergänzt ihr Fraktionskollege Tom Besenfelder.

Für die Linke-Fraktion ist klar, dass auch das jahrelange Leerstehenlassen der Kronenstraße 3 nicht im Einklang mit Recht und Gesetz gewesen sein kann.

Weiter führt Rosenkranz aus: „Wer soll denn „die Politik“ sein, von der die CDU Verbesserungen fordert? Wir haben detaillierte Vorschläge zur Linderung der Wohnraumnot in Tübingen: Die Verschärfung des Mietwucherparagraphen, die aktuell von der CDU im Bund blockiert wird, würde die ungünstige Verteilung von Wohnraum in Tübingen ebenso verbessern wie eine Verschärfung des Landesgesetzes über das Zweckentfremdungsverbot oder die Erhöhung der Landeswohnraumförderung durch die Landesregierung, in der die CDU ebenfalls mit am Tisch sitzt.“

In Bezug auf die Kronenstraße merkt die Linke-Fraktion an, dass eine Renovierung und Wiedervermietung der Wohnungen durch den Eigentümer zwar begrüßenswert sei, auf dem Wohnungsmarkt in Tübingen aber vor allem bezahlbare Kleinwohnungen und bezahlbare Wohnungen für Familien fehlten. Dass die Stadt Herrn Schwab Sanierungszuschüsse zahlt, und er dann hochpreisige Luxuswohnungen in der Altstadt schafft, würde die Linke nicht mittragen, sondern fordert Stadt und Eigentümer vielmehr auf, dort bezahlbare Wohnungen zu schaffen.

Bezuschussung der Neustart Genossenschaft

Vorlage 525/2026
Linke-Fraktion im Gemeinderat
Gerlinde Strasdeit, Gitta Rosenkranz,
Frederico Elwing, Tom Besenfelder

15.07.2026

Prüfantrag zur Möglichkeit einer städtischen Bezuschussung der Neustart Genossenschaft

Antrag:
Die Stadt Tübingen möge prüfen, ob und in welchem Umfang ein städtischer Zuschuss für das Projekt Neustart möglich ist.

Antragsbegründung:
Mit dem Projekt Neustart soll auf dem Areal Marienburger Straße ein gemeinwohlorientiertes, ökologisches und flächensparendes Wohn- und Lebensprojekt entstehen. Vorgesehen sind rund 160 bezahlbare Wohnungen, darunter 107 sozial geförderte Wohnungen mit langfristiger Mietbindung. Damit leistet das Projekt einen konkreten Beitrag zur Schaffung dringend benötigten bezahlbaren Wohnraums in Tübingen. Mit einem Anteil von rund 66 Prozent Sozialwohnungen übertrifft es die Vorgaben für den sozialen Wohnungsbau der Stadt Tübingen und hat mehr geförderten Wohnraum geplant als die anderen Projekte auf dem Marienburger Areal.

Die Neustart Genossenschaft verfolgt eine dauerhaft gemeinwohlorientierte Nutzung des Marienburger Areals. Boden und Wohnraum sollen dem privaten Eigentums- und Spekulationsmarkt entzogen werden. Bezahlbare Mieten, soziale Durchmischung, Gemeinschaft und gemeinschaftliche Verantwortung sind die Basis des Projekts. Damit entsteht Wohnraum, der langfristig dem sozialen Wohnungsmarkt erhalten bleibt. Besonders berücksichtigt werden vulnerable Haushalte mit Kindern, älteren Menschen, Menschen mit Unterstützungsbedarf, Geflüchtete sowie Personen, die auf dem freien Wohnungsmarkt nur schwer Zugang zu angemessenem Wohnraum finden. Durch unterschiedliche Wohnformen, gemeinschaftliche Strukturen und Kooperationen mit sozialen Trägern soll eine stabile Nachbarschaft entstehen, die gegenseitige Unterstützung ermöglicht und die soziale Infrastruktur im Quartier stärkt.

Als Ankernutzerin im Quartier übernimmt die Neustart Genossenschaft zudem Aufgaben, die über das eigene Wohnprojekt hinausreichen. Neben Wohnungen und internen Gemeinschaftsräumen sind Einrichtungen vorgesehen, die auch dem Quartier und der Südstadt zugutekommen, darunter ein Multisaal, eine konsumzwangfreie Cafeteria, Gästezimmer sowie weitere gemeinschaftlich nutzbare Räume. Damit trägt das Projekt zur Belebung und sozialen Versorgung des neuen
Quartiers bei.

Hinzu kommt, dass das Projekt mit besonderen finanziellen Belastungen verbunden ist. Anders als andere Vorhaben im Bereich Marienburger Straße Ost kann Neustart nach derzeitigem Stand nicht von einer vergünstigten Weitergabe des Bodens profitieren. Der Erwerb des Grundstücks zum Verkehrswert verursacht erhebliche Kosten. Zusätzlich entstehen aufgrund des schwierigen Baugrunds sowie der hohen Lärm- und Feinstaubbelastung weitere Sonderkosten, etwa für Gründung, Schallschutz und technische Lüftung.

Ohne eine städtische Unterstützung müssten diese Belastungen über höhere Einlagen und Mieten aufgefangen werden. Dies würde die soziale Zielsetzung des Projekts gefährden und könnte insbesondere die dauerhafte Sicherung bezahlbarer Mieten erschweren. Eine städtische Bezuschussung kann daher dazu beitragen, die gemeinwohlorientierten Ziele des Projekts zu sichern und die Umsetzung des vom Gemeinderat grundsätzlich unterstützten und für Tübingen notwendigen Konzepts zu ermöglichen.

Wir bitten die Verwaltung, dieses Konzept wohlwollend zu prüfen. Für Rückfragen und eine vertiefte Ausarbeitung stehen wir gerne zur Verfügung.

Linke-Fraktion
Gerlinde Strasdeit, Gitta Rosenkranz, Frederico Elwing, Tom Besenfelder