Brot statt Bomben

Kreisecke unserer Kreisrätin Maggie Paal am Dienstag, 17. März 2026 im Schwäbischen Tagblatt

Maggie Paal, Kreisrätin
Maggie Paal, Kreisrätin

Wir sind die Menschen, die diesen Landkreis ausmachen. Ohne uns gäbe es keine Automobilindustrie, wären die Kühlschränke leer, die Dächer ungedeckt, der Bus würde nicht fahren und die Kinderbetreuung wäre nicht organisiert. Wir erarbeiten den Reichtum des Staates und der Gesellschaft, zahlen Steuern und haben ein anderes Regierungshandeln verdient. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, bezahlbare Lebensmittel, bezahlbare Energie und Arbeitsplätze, die es uns ermöglichen, ein Leben in Würde und ohne Wohngeldantrag zu leben.
Abseits unserer individuellen „Lebensfinanzierung“ wird nun auch bei der wichtigen kommunalen Daseinsvorsorge an uns gespart. Zur Erinnerung: Daseinsvorsorge ist nicht „was extra oben drauf“ wie Schlagsahne, sondern es ist die staatliche Aufgabe die Bevölkerung mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen wie Wasser, Energie, Verkehr, Bildung und Gesundheit zu versorgen. Zum Beispiel das lebensnotwendige Gut von bezahlbarem Wohnraum. Wir Menschen wollen kein Extra, sondern das, was uns nach dem Grundgesetz zusteht. In Kriegszeiten wird der Gürtel des Staates ganz eng geschnallt – schließlich müssen die „explodierenden“ Rüstungsausgaben ja bezahlt werden.
Die Sparpolitik macht auch vor dem Landkreis keinen Halt und schon am Jahresanfang wird für den kommenden Haushalt eine fleißige Kürzungsdebatte geführt. Was ist eine Pflichtleistung und was ist „freiwillig“? Braucht es noch Kulturförderung oder sollen nur noch Reiche ins Theater? Braucht es noch Frauenhäuser, Beratung bei Essstörungen und Gewaltprävention – oder kann das weg?
Zu einer gesunden Gesellschaft gehört nicht nur finanzielle Unterstützung von Menschen in Notlagen, sondern auch der Erhalt der kulturellen und sozialen Angebote. Saniert wird der Staatshaushalt nicht dadurch, dass er den Armen das Wenige, das sie besitzen, auch noch wegnimmt. Statt „Armutsverwaltung“ zu betreiben, sollten die Regierungen aller Ebenen und ihre Verwaltungsbehörden alle Hebel in Bewegung setzen, um sie dauerhaft zu beseitigen. Deswegen: die Reichen zur Kasse bitten, damit die restliche Bevölkerung nicht die Zeche zahlt. Und das Geld bitte nicht in sinnlosen Kriegen verpulvern, die Menschen töten und den Planeten zerstören. Es gibt so viele schöne Dinge, wo das Geld besser angelegt wäre, auch in unserem Landkreis. Her mit dem Politikwechsel – wir Menschen haben es verdient!

Überreiche besteuern

Frederico Elwing, Linke-Stadtrat
Frederico Elwing, Linke-Stadtrat

Die Kitagebühren werden erhöht, die Ganztagsbetreuung an Grundschulen wird kostenpflichtig. So gibt es weder Bildungsgerechtigkeit noch Teilhabe für alle Kinder. Busse fahren ab 19 Uhr im Abendtakt, auf einigen Linien kommt nur noch einmal pro Stunde ein Bus, auch sonntags. So gibt es keine klimagerechte Verkehrswende. In der Stadtverwaltung bleiben Stellen sechs Monate lang unbesetzt. Darunter leiden die Beschäftigten und wir Bürger*innen. Die Müllabfuhr wird privatisiert, die Zuschüsse an Sozial- und Kulturvereine werden massiv gekürzt, weitere Kürzungen drohen. So wird der soziale Zusammenhalt und damit auch unsere Demokratie gefährdet. Wir spüren die Konsequenzen der Haushaltskürzungen in unserem Alltag. Aber die Finanzkrise der Kommunen ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis falscher politischer Entscheidungen.

Bund und Land übertragen den Kommunen immer mehr Aufgaben: bei der Kinderbetreuung, der Schulkindbetreuung und der Teilhabe. Doch das Geld, um diese Aufgaben auch vernünftig zu erfüllen, bekommen die Kommunen nicht. Die Rechnung landet am Ende bei uns allen: höhere Gebühren, schlechtere Angebote, weniger Lebensqualität.

In den Kommunen geht es um unser Zusammenleben: um soziale Angebote, um Kultur, um einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr, um ausreichend Personal in Verwaltung und städtischen Einrichtungen. Genau dafür braucht es eine Politik, die die Kommunen und die Menschen nicht länger alleinlässt.

Ein zentraler Hebel dafür ist die Wiedererhebung der Vermögensteuer. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat im Auftrag der Bundestagsfraktion der Linken eine Studie zur Vermögensteuer erstellt und berechnet: allein in Baden-Württemberg könnten pro Jahr rund 14,5 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung stehen. Das Land könnte damit die Kommunen ausreichend finanzieren.

Wer will, dass Städte und Gemeinden wieder handlungsfähig werden, wer soziale Sicherheit, gute Infrastruktur und echte Teilhabe will, hat am 8. März die Wahl. Wir entscheiden bei der Landtagswahl nicht nur darüber, wer im Landtag sitzen wird, sondern auch, ob unsere Kommunen endlich ausreichend finanziert werden und damit auch ihren Aufgaben gerecht werden können. Eine gerechte Finanzierung der Kommunen ist kein Hexenwerk und keine Raketenwissenschaft. Es braucht lediglich den politischen Willen und den Mut, die Überreichen endlich wieder angemessen zu besteuern.

Frederico Elwing, Linke-Fraktion im Tübinger Gemeinderat

Kampagne – Klimaschutz jetzt!

Vorlage 507/2026
Tübingen, 02.03.2026

Interfraktioneller Antrag: Kampagne – Klimaschutz jetzt!

Aufklärung für eine breitere Öffentlichkeit über das Tübinger Klimaschutz- programm und Werbung für eine aktive Beteiligung der Stadtbevölkerung bei der weiteren Umsetzung

Die Verwaltung wird beauftragt, nach der Verabschiedung der Fortschreibung des KSP in Zusammenarbeit mit den Fraktionen, den swt, den Tübinger Umwelt- und Naturschutzorganisationen und weiteren Akteur:innen eine oder mehrere große Veranstaltung/en zu organisieren, in der/denen

  • gut aufbereitete (verständliche) Informationen über den aktuellen Stand der drei großen Bereiche des KSP und die Vorstellungen über Inhalt und Tempo der weiteren Entwicklung bei Strom, Wärme und Mobilität hin zur Klimaneutralität und über die Inhalte des Querschnittsbereichs vermittelt werden,
  • z.B. im Worldcafé-Format und/oder in Workshops unter den Teilnehmenden Ideen über eine bessere Einbeziehung der Bevölkerung ausgetauscht werden mit folgenden Zielen bzw. Schwerpunkten:
    • genauere Kenntnis der Bürger:innen über klimafreundliche Alternativen bei Strom- und Wärmeversorgung für den individuellen Bedarf
    • Möglichkeiten der Unterstützung (ideell und finanziell) insbesondere der Wärmewende
    • Möglichkeiten der Vernetzung zur Bildung von Genossenschaften oder anderen Formen gemeinschaftlichen Betriebs von Wärmeerzeugungsanlagen o.ä.
    • der Bildung quartiersbezogener Initiativen zu umweltfreundlicherer Erzeugung und/oder Beschaffung täglicher Bedarfe im Bereich Lebensmittel etc.
    • Möglichkeiten individueller Beiträge zur Klimawandelanpassung

Je nach den Erfahrungen mit diesem Format könnten danach entsprechende Veranstaltungen auf der Ebene der Stadtteile durchgeführt werden.

Begründung:
In einer Zeit, in der die Bedeutung des Klimaschutzes in der öffentlichen Debatte angesichts globaler Multikrisen zunehmend in den Hintergrund tritt, während zugleich die Dringlichkeit konkreter Maßnahmen weiter wächst, stehen Kommunen vor besonderen Herausforderungen. Haushaltskrisen treffen auf ein gestiegenes Bewusstsein für die Komplexität und die Kosten der Energie-, Wärme- und Mobilitätswende auf dem Weg zur kommunalen Klimaneutralität.

Daher ist es im Zusammenhang mit der Fortschreibung des Klimaschutzprogramms umso wichtiger, die Tübinger Bevölkerung besser als bisher „mitzunehmen“. Dies soll auf lokaler Ebene durch die im Antrag beschriebenen Kick-off-Veranstaltungen geschehen. Darüber hinaus gilt es, Initiativen zu unterstützen, die eine breitere Verankerung von Klimaschutzaktivitäten fördern und Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, sich selbst oder in Gruppen konkret einzubringen. Dabei müssen auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit den diversen Akteuren in diesem Feld ausgelotet und verbessert werden.

Für die Fraktion AL/Grüne: Pauline-Sophie Dittmann
Für die SPD-Fraktion: Ingeborg Höhne-Mack
Für die Fraktion Klimaliste: Matthias Feurer
Für die Linke-Fraktion: Tom Besenfelder

Bericht des FAB Nachhaltige Stadtentwicklung

Vorlage 505/2026
Tübingen, 02.03.2026

Interfraktioneller Antrag: Bericht des FAB Nachhaltige Stadtentwicklung

Die vor drei Jahren gegründete FAB Nachhaltige Stadtentwicklung berichtet im 2. Quartal 2026 im Planungsausschuss über ihre seitherigen Arbeitsschwerpunkte.
Ein Thema soll dabei Planungen bzw. aktuelle Handlungsansätze zu Art und Umfang der Tübinger Strategien und Maßnahmen zur Klimawandelanpassung betreffen, ebenso deren Finanzierung und aktuelle Fördermittel zur Umsetzung.

Für die Fraktion AL/Grüne: Franca Leutloff
Für die SPD-Fraktion: Ingeborg Höhne-Mack und Nathalie Denoix
Für die Fraktion Klimaliste: Matthias Feurer
Für die Linke-Fraktion: Tom Besenfelder

Fortschreibung des Klimaschutzprogramms: Öffentlichkeitsarbeit

Vorlage 510/2026
Tübingen, 02.03.2026

Interfraktioneller Begleitantrag zur Fortschreibung des Klimaschutzprogramms: Öffentlichkeitsarbeit

1. Darstellung des Programms auf der städtischen Homepage
Wir beantragen eine übersichtliche und klar strukturierte Darstellung des Klimaschutzprogramms auf der städtischen Homepage, d.h. nicht wie jetzt als zusammenhängendes PDF-Dokument, sondern in einzelnen Tabs, mit denen man sich durch Anklicken durch die einzelnen Kapitel des Programms navigieren kann.
Sollte dies aus finanziellen Gründen nicht realisierbar sein, beantragen wir dringend, das neue PDF-Dokument in sich navigierbar zu gestaltet. Also ein barrierearmes pdf- Dokument in dem man sich von Kapitel zu Kapitel klicken kann..

Begründung: Die Zustimmung zum Klimaschutz und dem Tübinger Klimaschutzprogramm in der Bevölkerung schwindet. Kaum jemand liest das Klimaschutzprogramm. Wer sich für das Programm interessiert und auf die städtische Homepage geht, findet sehr viele Informationen, die geradezu „erschlagend“ wirken. Wir sind der Überzeugung, dass eine andere Darstellungsweise bzw. Zugangsmöglichkeit zum Programm dazu führen kann, dass zumindest einzelne Kapitel von Interessierten in der Stadtbevölkerung gelesen werden. Dies wiederum kann zum Weiterleiten von Informationen und zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung führen.

2. Kurzfassungen KSP und „Vermarktung“ über Social Media
Wir beantragen eine Kurzfassungen des Programms in digitaler Form, insbesondere mit einer Zusammenfassung der Präambel und den wichtigsten Eckpunkten. Diese Kurzfassung können als Material für die „Vermarktung“ des KSP auf den städtischen Social-Media-Kanälen genutzt werden. Außerdem können sie als Basis für Flyer in Printform genutzt werden. Wir beantragen diese Printfassungen in geringer Auflage für bestimmte Kampagnen drucken zu lassen. Diese Flyer-Kurzversion soll dann auch auf der städtischen Homepage zugänglich sein.

Begründung: Wie auch bei der Darstellung des gesamten KSP auf der Homepage geht es uns vor allem darum, die Akzeptanz für das Programm zu steigern. Dafür ist eine gute Information der Stadtgesellschaft unerlässlich. Das Veröffentlichen auf Social-Media, das Auslegen der städtischen Flyer bei Veranstaltungen und das Einstellen der Kurzversion auf die Homepage, können wichtige Bausteine darstellen.

3. Programm in einfacher Sprache
Wir beantragen, dass eine Kurzversion, wie in Punkt 2 dargestellt, auch in einfacher Sprache erscheinen soll. Dieser Flyer soll dann ebenfalls auf die Homepage und in einer geringen Auflage als Printversion erscheinen. Hierzu soll die Verwaltung zunächst eine Kostenschätzung einholen.

Begründung: Das Klimaschutzprogramm auch in einfache Sprache zu übertragen ist ein Baustein, um auch Menschen mit Einschränkungen und Menschen mit geringeren Deutschkenntnissen zu informieren und zum Mittragen von Klimaschutzmaßnahmen zu motivieren.

4. „Klimapfad“ mit QR-Codes
Wir beantragen an Stellen in der Stadt, die mit dem KSP in Verbindung stehen (z.B. Radbrücken, Radwege, Radabstellplätze, neu gepflanzte Bäume und Grünanlagen, neue Holzbauten, etc.), QR-Codes zu installieren, die zu kurzen und prägnanten Erklärungen führen, welche Maßnahmen hier im Sinne des Klimaschutzprogramms umgesetzt oder initiiert werden. Hier sollen Synergieeffekte mit den Punkten 2 und 3 genutzt werden, was die Formulierung der Sätze angeht.

Begründung: Viele städtische Klimaschutzmaßnahmen laufen „nebenher“ und bleiben eher unentdeckt. Vorbild soll der Tübinger Geschichtspfad sein, wenngleich eine kleinere Variante angesichts der Haushaltslage durchaus denkbar ist.

5. Öffentlichkeitsarbeit zur Verabschiedung des KSP
Wir beantragen eine intensive städtische Öffentlichkeitsarbeit, sobald die Fortschreibung des Klimaschutzprogramms vom Gemeinderat verabschiedet wurde:
auf den städtischen Social-Media-Kanälen, als Pressemitteilungen, auf den Großbildflächen an den großen Straßen, in den Stadtbussen der swt etc.

Begründung: Die Stadtgesellschaft muss beim Klimaschutz mitgenommen werden.
Das kann nur gelingen, wenn es eine entsprechende Informationskampagne gibt. Die Anstrengungen der verschiedenen Akteure und deren Wirksamkeit müssen mehr Sichtbarkeit erlangen. Das fördert die Akzeptanz und die Sensibilisierung der Bürgerinnen und Bürger für Klimaschutzmaßnahmen.

Für die Fraktion AL/Grüne: Swantje Uhde-Sailer
Für die SPD-Fraktion: Nathalie Denoix
Für die Fraktion Klimaliste: Matthias Feurer
Für die Linke-Fraktion: Tom Besenfelder

Förderung der Sharing-Möglichkeiten von privater Ladeinfrastruktur für Elektromobilität

Vorlage 506/2026
Tübingen, 02.03.2026

Interfraktioneller Antrag: Förderung der Sharing-Möglichkeiten von privater Ladeinfrastruktur für Elektromobilität

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, ein Konzept zur Förderung der Sharing- Möglichkeiten von privater Ladeinfrastruktur für Elektromobilität zu entwickeln und zeitnah umzusetzen.
Dabei sollen insbesondere folgende Punkte berücksichtigt werden:

  1. Informations- und Beratungsangebot intensivieren:
    Eigentumsparteien von Privatgrundstücken sollen aktiv über technische Optionen, rechtliche Rahmenbedingungen, Vernetzungsmöglichkeiten, Förderprogramme und Geschäftsmodelle von Wallbox-Sharing informiert werden. Interessierte sollen bei der Stadtverwaltung zentrale Informationsangebote und Ansprechpersonen finden. Mit einer laufenden Informationskampagne wird geteilte Ladeinfrastruktur in und um Tübingen sichtbar gemacht und in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
  2. Rechtliche und organisatorische Unterstützung leisten:
    Wer seine Ladeinfrastruktur mit anderen teilen möchte, soll dabei von der Stadt umfassende Unterstützung erhalten. Dies geschieht neben dem Beratungsangebot durch die Bereitstellung von Mustervereinbarungen und Leitfäden zu Haftung, Abrechnung, Zugangsregelungen und Kostenaufteilung.
    Die Umsetzung von technischen Lösungen zum Laden mit privaten Wallboxen auf Parkflächen im öffentlichen Raum (z.B. über sogenannte “Chargearms”) wird von der Stadtverwaltung unterstützt und ermöglicht. Damit die geteilte Ladeinfrastruktur in und um Tübingen für alle niederschwellig nutzbar ist, kooperiert die Stadt zum Beispiel mit geeigneten Sharing-Plattformen.
  3. Finanzielle Anreize setzen:
    Im Rahmen ihrer Möglichkeiten fördert die Stadt Bausteine der Ladeinfrastruktur, die gemeinschaftliches und netzdienliches Laden ermöglichen, z.B. Wallboxen, die ausdrücklich mehreren Nutzenden dienen, intelligente Lastmanagement-Systeme oder PV-Kopplung.

Begründung
Das E-Mobilitätskonzept der Stadt Tübingen “Tübingen e-mobil” bescheinigt der privaten Ladeinfrastruktur eine zentrale Bedeutung bei der Mobilitätswende und begrüßt ausdrücklich bürgerliches Engagement zum Teilen privater Ladeinfrastruktur.
Da die längste Verweildauer von E-Autos unter anderem daheim besteht, muss genau hier auch ausreichend Ladeinfrastruktur bereitstehen. Dabei gilt für Pkw wie für Ladepunkte gleichermaßen: Nicht jeder Haushalt benötigt einen eigenen, der im Durchschnitt über weite Teile des Tages ungenutzt bleibt. Durch Sharing-Angebote von privaten Wallboxen werden die verfügbare Ladeinfrastruktur erhöht und der Hochlauf der Elektromobilität unterstützt, während zugleich auf vielen Ebenen Ressourcen effizient eingesetzt oder sogar eingespart werden. Energieinfrastruktur und Netze werden entlastet, Lösungen im Bestand effizienter genutzt und Netzwerke in Nachbarschaft und Quartier initiiert bzw. gestärkt.

Für die Fraktion AL/Grüne: Benedikt Döllmann
Für die SPD-Fraktion: Gerhard Neth
Für die Fraktion Klimaliste: Matthias Feurer
Für die Linke-Fraktion: Tom Besenfelder

Beschränkung des Dauerbetriebs der Spitzen‑ und Reserveheizzentrale Mühlbachäcker

Vorlage 504/2026
Tübingen, den 22.02.2026

Betreff: Beschränkung des Dauerbetriebs der Spitzen‑ und Reserveheizzentrale Mühlbachäcker auf höchstens zwei Jahre bis zur Inbetriebnahme der Großwärmepumpe am Klärwerk

Antrag
Der Gemeinderat beschließt:

  1. Die Stadtwerke Tübingen betreiben die Spitzen‑ und Reserveheizzentrale Mühlbachäcker nach Fertigstellung höchstens für einen Zeitraum von zwei Jahren im Dauerbetrieb mit mehreren tausend Stunden Laufzeit pro Jahr. Der Dauerbetrieb endet mit der Inbetriebnahme der Großwärmepumpe am Klärwerk, die spätestens im Jahr 2029 erfolgen soll.
    Entsprechend der Aussage der Stadtwerke Tübingen soll das Gasheizwerk nach der Inbetriebnahme der Großwärmepumpe am Klärwerk im Jahr 2029 ausschließlich als Spitzen- und Reserveheizzentrale betrieben werden mit “wenigen hundert Betriebsstunden pro Jahr”.
  2. Sollte eine hiervon abweichende Nutzung von den Stadtwerken in Betracht gezogen werden, ist der Gemeinderat so frühzeitig zu informieren, so dass er darüber beraten und entscheiden kann.
  3. Die Stadtwerke Tübingen berichten dem Gemeinderat regelmäßig über den Betrieb und die Betriebsstunden der Spitzen- und Reserveheizzentrale Mühlbachäcker, sowie über Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Wärmeerzeugung. Dies betrifft auch den geplanten Betrieb der bisher fossil betriebenen Wärmeerzeugungsanlagen mit klimaneutralen Gasen wie Biogas oder Wasserstoff.

Begründung:
Der Bau der Spitzen‑ und Reserveheizzentrale Mühlbachäcker befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Planungsstadium: Die Gebäude‑ und Technikplanung ist abgeschlossen, das Baugesuch sollte mittlerweile bereits genehmigt worden sein und der Baubeginn ist höchst wahrscheinlich schon erfolgt, während die Inbetriebnahme für September 2027 geplant ist. Da der Ausbau erneuerbarer Energien – insbesondere die noch nicht fertiggestellte Großwärmepumpe am Klärwerk – nicht mit der erforderlichen Geschwindigkeit voranschreitet, soll das Heizwerk zunächst als temporäre Lösung zusätzliche Versorgungspotenziale schaffen, um den Bedarf im Quartier Mühlbachäcker zu decken.

Das Klimaschutzprogramm „Tübingen klimaneutral 2030“ verlangt jedoch die Beendigung der Nutzung fossiler Energieträger und die Umstellung der Wärmenetze auf 100 % erneuerbare Energien, sodass ein langfristiger Dauerbetrieb eines fossilen Kraftwerks diesen Zielsetzungen widerspricht. Nach eigener Aussage der Stadtwerke Tübingen soll die Anlage nach der Inbetriebnahme der Großwärmepumpe am Klärwerk im Jahr 2029 ausschließlich als Spitzen- und Reserveheizzentrale betrieben werden. Perspektivisch soll dies dann auch mit grünem Wasserstoff geschehen, so dass ein klimaneutraler Betrieb möglich ist.
Die beantragte Regelung dient der Klarstellung und Absicherung der vorgesehenen Nutzung und stellt sicher, dass Gemeinderat und Öffentlichkeit frühzeitig informiert werden, falls von der angekündigten Betriebsweise doch abgewichen werden sollte.

Tübingen, den 22.02.2026
Für die Fraktion Klimaliste: Matthias Feurer
Für die Fraktion Tübinger Liste: Thomas Unger
Für die Fraktion Die Linke: Tom Besenfelder
Für die Fraktion DIE FRAKTION: Stefan Klepp
Für die Fraktion AL/Grüne: Benedikt Döllmann

Zweite Haushaltsrede im Gemeinderat

Tom Besenfelder, Stadrat
Tom Besenfelder, Stadrat

Sehr geehrte Ratskolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Herren Palmer und Soehlke, sehr geehrte Frau Schäfer-Vogel, sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, liebe Gäste,

vor zwei Wochen habe ich gesagt, ich hoffe, dass es gelingt, den Rasenmäher nochmal deutlich höher einzustellen. Das wird nun überhaupt nicht passieren. Deswegen können wir diesem Haushalt nicht zustimmen.
22 Mio. zusätzliche Kürzungen in allen Bereichen der Verwaltung sind nicht tragbar.

Auch die Art und Weise, wie gekürzt werden soll, halten wir nach wie vor für hochproblematisch. Der Gemeinderat gibt hier Gestaltungsmacht freiwillig ab, die aus gutem Grund nicht in der Hand der Verwaltung liegt. Das Haushaltsrecht ist unser Königsrecht – überall pauschal 10-15 % zu streichen und dann in der eigenen Lieblingsabteilung eine halbe Stelle schaffen – liebe Grüne, liebe Klimaliste, so schafft man sich die Illusion von Gestaltungsmacht, während man sie gleichzeitig eigentlich her schenkt. Was bringt dem Klimaschutz eine halbe Stelle, wenn mal zwei volle Stellen ein halbes Jahr unbesetzt bleiben?

Mit diesem Haushalt schon und nicht erst in dem hypothetischen Fall, dass das Regierungspräsidium das Ruder übernimmt, werden Kita-Gebühren erhöht und Gebühren für die Schulkindbetreuung neu eingeführt, es werden mit dem Ludomobil und der Pixel-Medienwerkstatt Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit geschlossen, bei der Schulsozialarbeit wurde gekürzt, bei den Schulbudgets, den Budgets für Lehrmittel, wird gekürzt, beim Zimmertheater und vielen anderen Kulturinstitutionen, die freien Träger der Kinderbetreuung sollen auf einen Teil der Entschädigung für Ihren Verwaltungsaufwand verzichten, bei den Hausmeistern wird gespart, bei der Unterhaltung der Straßen, und und und…
Die Liste ließe sich leicht weiterführen. Kann gut sein, dass es in den Verhandlungen gemütlicher wurde, nachdem wir weg waren, denn bei solchen Plänen werden wir auch mal ungemütlich.
Die Grünen haben eben hervorgehoben, was wir für wertvolle Angebote in Tübingen haben. Aber die werden hier eben eingeschränkt und nicht bewahrt. Da halt ichs mit Rosa Luxemburg: Zu sagen, was ist, ist die revolutionäre Tat.
Währenddessen stellt sich die SPD im Landtagswahlkampf hin und fordert Verbesserungen in all diesen Bereichen, während sie sie hier kürzt. Da weiß scheinbar die eine Hand nicht, was die andere macht.

Dabei hattet Ihr von der SPD ja eine Abmilderung des Rasenmähers beantragt. Sie wäre auch möglich gewesen, durch die verbesserte Steuerschätzung und die verbesserte Kreisumlage sogar in einer Höhe von bis zu 5 Mio., was eine spürbare Verbesserung bedeutet hätte. Eine Verringerung des Rasenmäherbetrags hätte den Beschäftigten und den städtischen Leistungen geholfen.
Stattdessen soll es jetzt diese Deckungsreserve mit Sperrvermerk geben (mit einem Fonds hat das nichts zu tun). Auch das schafft eine Illusion von Gestaltungsspielraum, den Ihr gleichzeitig selbst aus der Hand gebt mit diesem Haushalt. Vereine sind bei dieser Deckungsreserve auch, anders als von den Grünen eben angedeutet, nicht selbst antragsberechtigt.
Wenn es aber dann so beschlossen ist, werden wir dennoch versuchen, die Deckungsreserve möglichst vollständig zu nutzen. Wo immer wir es für richtig halten, werden wir versuchen, möglichst viele Kürzungen abzuwenden, in dem wir beantragen, dass das Geld dafür über die Deckungsreserve zur Verfügung gestellt wird.
Eigentlich bräuchte es statt des sogenannten Notfallfonds eine geregelte Förderung für die vielen Beratungsstellen und Institutionen. Das wäre keine Luxusmaßnahme sondern unabdingbar für die kommunale Daseinsvorsorge und damit für den sozialen Frieden. Mangelnde Förderung wird wichtige Infrastrukturen zerstören – diese wieder aufbauen zu müssen, wenn es denn mal wieder mehr Geld gibt, ist weder nachhaltig noch sinnvoll.

Um nochmal deutlich zu machen, dass der Beschluss heute nicht alternativlos, sondern politisch gewollt ist, beantragen wir als Gegenvorschlag die Erhöhung der Gewerbesteuer auf 435 Punkte und eine Reduzierung der pauschalen Personalkostenkürzungen um 5 Mio., die nur über eine Verschärfung der Wiederbesetzungssperre umgesetzt werden kann. Diese hat, wenn man z. B. an Hausmeister oder die Wohngeldstelle denkt, fatale Konsequenzen und ist auch nicht nachhaltig.
Außerdem beantragen wir die Rücknahme der Kürzung bei plan.b, soweit wir es ermessen können, die einzige Kürzung, die ein Angebot gänzlich in der Existenz bedroht. Die Grünen haben ja eben betont, wie stolz sie auf die gute Geflüchtetenberatung in Tübingen sind, von daher hoffen wir da auf Zustimmung.
Die Kürzungen beim Personal halten wir für einen riesigen Fehler: 13% Sparen geht vor allem, in dem permanent 13% der Stellen nicht besetzt sind — das ist jede siebte! Schon jetzt werden frei werdende Stellen ein halbes Jahr lang nicht nachbesetzt. Was das für Auswirkungen hat sieht man schon jetzt in den verschiedensten Bereichen. Die Beschäftigten so zu zermürben ist unverantwortlich und auch keine nachhaltige Personalpolitik.

Weil er von den Kürzungen über den Rasenmäher mit betroffen ist, werden wir auch den KST-Wirtschaftsplan ablehnen.

(Ich habe meinen Schraubenschlüssel heute nicht nochmal dabei – wer mit einem sozialen Gewissen auf diesen Haushalt, auf den Rasenmäher, schaut, der sieht: Der gehört eigentlich auseinandergenommen. Die Grünen haben ihn die letzten zwei Wochen mit Samthandschuhen angefasst. Das werde ich nie verstehen.)

Kurz vor der Sitzung haben wir Stellungnahmen unserer Gemeinderäte aufgenommen. Sie finden sich hier in unserem Beitrag auf Instagram: Die Gemeinderatsfraktion der Tübinger Linken lehnt die geplanten massiven Kürzungen im städtischen Haushalt entschieden ab.

Anträge zum Haushalt 2026

Wir beantragen:

  • Erhöhung der Gewerbesteuer auf 435 Punkte
  • 5 Mio. Reduzierung der pauschalen Personalkostenkürzungen im Haushaltsjahr 2026
  • Keine Kürzung der Regelförderung für move on-Menschenrechte Tübingen e.V.

Begründung:
Wir lehnen die massiven Kürzungen im Haushalt 2026 ab. Insbesondere, dass 16 Mio. beim Personal gekürzt werden sollen, können wir nicht akzeptieren.
Durch die Verbesserungen bei der Einkommens- und Umsatzsteuer und der Kreisumlage und den FAG-Mitteln sowie durch eine Erhöhung des Gewerbesteuersatzes (von ca. 14% auf ca. 15%) wäre es möglich, die Kürzungen bei den Beschäftigten, den öffentlichen Leistungen und den Zuschüssen an freie Träger im Sozial- und Kulturbereich in der geplanten Höhe zu vermeiden.

Aktuell sieht es so aus, als wäre der Verein move.on der einzige Verein, bei dem eine existenzgefährdende Kürzung durchgedrückt werden soll. Wir beantragen daher die Rücknahme dieser Kürzung.

Gerlinde Strasdeit, Tom Besenfelder, Gitta Rosenkranz, Frederico Elwing

Rasenmäher höher einstellen

Haushaltsrede unseres stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Tom Besenfelder, im Gemeinderat am 15.01.2026

Sehr geehrte Ratskolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Herren Palmer und Soehlke, sehr geehrte Frau Schäfer-Vogel, sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, liebe Gäste,

heute ist ja die erste Gelegenheit wo wir uns zum diesjährigen Haushalt äußern können.
Von daher würd ich erstmal was zur grundsätzlichen Lange sagen.
Ihr Haushaltsentwurf vom November, Herr Palmer, zeigt uns, das die finanzielle Lage Tübingens wie in allen Kommunen landauf und landab katastrophal ist. Das ist ja auch von den anderen Fraktionen bereits erwähnt worden. Das liegt daran, dass die Einnahmen der Kommunen, allen voran die Gewerbesteuer, aber auch die Zuweisungen vom Land und die Anteile an der Einkommens- und Umsatzsteuer teils sinken, teils stagnieren oder weniger stark steigen als zuvor. Gleichzeitig wachsen die Ausgaben — Hauptgrund dafür ist aus unserer Sicht die Inflation, die Sachausgaben für die Gemeinde teurer macht und die die Reallöhne der Arbeitnehmerinnen sinken lässt. Die Gewerkschaften kämpfen aktuell darum, diese Reallohnsenkungen wieder auszugleichen und sie kämpfen für angemessene Löhne für alle Beschäftigten. Ihre Forderungen sind nicht unangemessen oder überzogen, Herr Palmer, und die Beschäftigten und Ihre Gewerkschaften sind nicht Schuld an unserer Finanzlage! Sie selbst profitieren im übrigen innerhalb der Stadtverwaltung von allen Beschäftigten am meisten von jeder Tarifsteigerung im öffentlichen Dienst.
Der richtige Weg aus dieser Krise wäre, dass Bund und Land die Finanzierung der Kommunen verbessern, in dem sie den Kommunen höhere Anteile an den Steuereinnahmen überließen. Oder indem die Vermögenssteuer wieder erhoben würde und die Ausnahmen für reiche Erben bei der Erbschaftssteuer beseitigt würden. Das würde dem Bund und den Ländern genug finanziellen Spielraum geben, um den Kommunen dauerhaft und nachhaltig zu helfen — nicht nur symbolisch über einmalige „Sondervermögen“ oder „Extra-Hilfen“.
„Nehmt das Geld den Reichen, statt bei uns zu streichen“, hieß es draußen beim Protest gegen die Kürzungen. Das kann ich nur unterstreichen.
Die Situation wäre also vermeidbar (gewesen).

Nichtsdestotrotz haben wir sie jetzt — und wir wissen auch: Das Land, dass seine Kommunen nicht auskömmlich finanziert, wird uns trotzdem zwingen, einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Das stellt uns im Gemeinderat vor eine unmögliche Wahl: Entweder Steuern erhöhen, was in Ordnung wäre, wenn es die Superreichen treffen würde, aber wir können auf kommunaler Ebene nur die falschen Steuern erhöhen. Oder eine bereits unzureichende öffentliche Daseinsvorsorge weiter zu kürzen und dabei gleichzeitig noch den städtischen Beschäftigten alles abverlangen. Wir tun uns sehr schwer damit, diese unmögliche Wahl, die vermeidbar (gewesen) wäre, zu akzeptieren. Nichtsdestotrotz haben wir mit unseren Haushaltsanträgen einen Vorschlag gemacht.

Bevor ich zu den Anträgen komme, möchte ich aber noch was zur Systematik des diesjährigen Haushalts sagen.
Dieses Jahr soll nach dem Rasenmäherprinzip gekürzt werden. Ohne zu beachten, wo überhaupt gekürzt werden kann oder wo vertragliche Verpflichtungen bestehen. Allein bei Zuschüssen für die Kinderbetreuung bei freien Trägern sollen 2,7 Millionen Euro an einer Stelle gespart werden, an der über die im KuBiS vorhin erwähnte Summe hinaus überhaupt nicht gespart werden kann – so eine Summe ist so schnell nicht auf andere Bereiche verteilt. Eine detaillierte Liste wie letztes Jahr sei dem Gemeinderat nicht zuzumuten haben einige gesagt oder gedacht hier im Raum. Wir sagen: Schon die im vergangenen Jahr beschlossenen Kürzungen haben zu einschneidenden Veränderungen für die Tübingerinnen geführt: Höhere (Kita-)Gebühren, höhere Grundsteuer, neue Gebühren (Schulkindbetreuung), gestrichene Buslinien, steigende Ticketpreise … Wer da jetzt noch weiteren Kürzungen (in Höhe von 22 Millionen!) zustimmt, ohne zu wissen, worum es genau geht, gibt das Königsrecht des Gemeinderats, die Haushaltsplanung, an den Bürgermeister ab. Es sollen zwar die Vorschläge der Fachbereiche, wo genau gekürzt werden soll, hier im Rat besprochen werden, aber wenn der Haushalt dann mal beschlossen ist, wird ein Zurückrudern schwierig bis unmöglich sein. Ich vermute: Wir werden dann einige Situationen erleben, in denen die Mehrheitsfraktionen hier dann mit den viel gerühmten Bauchschmerzen bei Dingen der Kürzung zustimmen, die sie eigentlich gerne erhalten hätten, aber die finanzielle Kürzung dahinter schon mit dem Haushalt beschlossen haben.

Wir kritisieren also auch die Systematik des Haushaltsentwurfs. Wir hatten aber gar keine andere Wahl, als sie uns für unsere Anträge zu eigen zu machen:
Vor allem plädieren wir nämlich dafür, die Verbesserungen, die sich gegenüber dem Haushaltsentwurf durch die Herbststeuerschätzung und die geringer ausfallende Kreisumlage ergeben haben, zu nutzen, um den Rasenmäher etwas höher einzustellen und von der wichtigen Leistungsfähigkeit der Stadt noch mehr vom Grashalm stehen zu lassen, aus dem dann im kommenden Jahr wieder viel wichtiges erblühen kann. Vor allem die Personalkürzungen können wir, so, wie sie vorgeschlagen sind, nicht akzeptieren: Es klingt einfach, 13% beim Personal einzusparen. Aber es steckt viel dahinter: Die Personalkostenplanung beruht ja auf den Stellen, die wir bei der Stadt haben, und die wir im Normalfall auch alle besetzen, weil wir sie nur im Stellenplan haben, wenn wir sie wirklich brauchen. In der sogenannten Personalkostenplanung sind dann nach meiner Kenntnis sogar auch schon geringe Fluktuationen, die es bei über Zweitausend Beschäftigten immer gibt, eingerechnet. 13% Sparen geht also vor allem, in dem permanent 13% der Stellen nicht besetzt sind — das wäre jede siebte! Das hat verheerende Auswirkungen in den Abteilungen. Laut Ihrer Aussage bei der Haushaltslesung, Herr Palmer, müssten sie die Wiederbesetzungssperre auf neun Monate verlängern, um die Sparsumme zu erreichen. Dass dann z. B. Beschäftigte, die in einer Abteilung mit vier Leuten arbeiten, in dem Moment, wo eine Kollegin in den Ruhestand geht, überlegen, ob sie selbst auch kündigen, weil es so zermürbend ist, über ein Dreivierteljahr die Arbeit von vier Leuten zu dritt zu machen, das ist ja logisch. Aber genau das können wir doch nicht wollen! Dadurch, dass die Verbesserungen im Haushalt sich auf über fünf Millionen summieren, müsste der Haushalt auch dann noch genehmigungsfähig sein, wenn man bei den Personalkosten 5 Millionen weniger kürzt. Andernfalls wäre nämlich auch Ihr ursprünglicher Entwurf, Herr Palmer, auch auf keinen Fall genehmigungsfähig gewesen.

Außerdem fordern wir mehr Ehrlichkeit: In der aktuellen Finanzlage wird es auch mittelfristig keinen Konzertsaal geben. Am Personal und der öffentlichen Daseinsvorsorge sparen und gleichzeitig teure Prestigeprojekte für ein eher gutverdienendes Doktoren- und Professorenpublikum weiterzuverfolgen, ist nicht ehrlich und deshalb beantragen wir die Streichung des Konzertsaals. Und an die FDP gewandt muss ich da sagen: Gleichzeitig einen interfraktionellen Antrag zu unterschreiben, der fordert, die Verbesserungen im Haushalt nicht zu verplanen, und dann trotzdem selbst Anträge zu stellen, die die Mittel verplanen, das ist auch überhaupt nicht ehrlich.
Zu den Anträgen der Grünen: Neben der Erwirtschaftung von Kredit und Tilgung ist eine Genehmigungsherausforderung im Haushalt die Gesamtsumme der Kredite. Dass uns das Regierungspräsidium erlaubt, Schulden aufzunehmen, die die GWG auch selbst aufnehmen könnte, sie verbilligt weiterzugeben und die Zinsdifferenz selbst zu bezahlen, ist doch eher zweifelhaft. Und wie das mit dem „Fond“ haushaltsrechtlich gehen soll, da bin ich auch gespannt. Zur CDU: Auch die Ermöglichung von Hybridsitzungen durch die Installation von Kameras im Ratsaal, würde für einzelne, vielleicht vulnerable Stadträtinnen und Stadträte die persönliche Sicherheit erhöhen, weil wir uns dann alle überlegen könnten, hybrid teilzunehmen, falls wir eine ansteckende Krankheit haben.

Und ja, liebe Grüne, für uns sind Steuererhöhungen nicht pauschal falsch: Eine Erhöhung der Gewerbesteuer auf ein vertretbares Niveau von 435 Punkten, wie wir sie schon im Sommer gefordert haben, würde uns außerdem den Spielraum verschaffen, auf Kürzungen bei den Zuschüssen an Vereine und freie Träger im Sozial-, Integrations-, Kultur-, und Bildungsbereich zu verzichten. In diesen Bereichen, wo in Tübingen mit tausenden von Stunden ehrenamtlichen Engagement so viel für die Gesellschaft geleistet wird, ist jeder Euro ein Vielfaches seiner selbst wert. Kürzungen würden ausgerechnet jetzt in schwierigen Zeiten das Engagement bremsen — das kann sich unsere Gesellschaft nicht leisten!

Wir hoffen also, dass es einen Weg geben wird, in den Verhandlungen den Rasenmäher nochmal deutlich höher einzustellen, wir hätten (mit unseren Anträgen) das notwendige Werkzeug dabei.

Entlastung ist überfällig

Renate Angstmann Koch, Linke Kreistagsfraktion
Renate Angstmann Koch, Linke Kreistagsfraktion

Die Kommunen stehen unter Druck. Die meisten Menschen, die in ihnen leben, auch. An allen Ecken steigen die Preise. Da passt es wie die Faust aufs Auge, wenn Gemeinden und Landkreise auch noch höhere Grundsteuern, höhere Kita-Beiträge und mehr Geld für Schülerfahrkarten verlangen.

FWV, Grüne, CDU, SPD, FDP und AfD haben im Dezember im Kreistag einen Sparhaushalt beschlossen. Wir Linke haben ihn abgelehnt, da bei den Etatberatungen kein einziger Vorschlag durchkam, den Menschen das Leben zu erleichtern.

Die Anträge der Linken auf ein Kreis-Sozialticket für Inhaber der Kreis-Bonus-Card wie in Tübingen und Entlastung aller Eltern bei den Schülerfahrkarten: abgelehnt. Die Kreistagsmehrheit konnte sich noch nicht einmal durchringen, auf Grundsicherung angewiesenen Menschen eine Mitgliedschaft im Mieterschutzbund und damit Rechtsschutz wie im Kreis Reutlingen zu ermöglichen. Das würde 4000 Euro im Jahr kosten und käme langfristig auch der Kreiskasse zugute.

Ja, die Kommunen schaffen es kaum noch, ihre Etats auszugleichen. Städte und Gemeinden schultern ein Viertel aller öffentlichen Aufgaben, erhalten dafür aber nur ein Sechstel des staatlichen Finanzaufkommens. Tübingens OB Boris Palmer und drei weitere Rathaus-Chefs forderten in den Medien, „soziale Standards bei Pflichtaufgaben“, wie der Inklusion von Menschen mit Behinderungen, zu senken. Doch eine Sanierung der Kommunalfinanzen auf dem Rücken der Schwächsten zerstört den sozialen Zusammenhalt. Sie wird niemals Politik der Linken sein!

Den angeblich zu hohen Sozialkosten stehen beispiellose Rüstungsinvestitionen gegenüber und eine ebenso beispiellose Steigerung von Privatvermögen in den Händen weniger. CDU, SPD, Grüne und FDP stellten die Bundes- und Landesregierungen, die es versäumten, die 1997 ausgesetzte Vermögenssteuer wieder zu erheben. Seither entgingen der Staatskasse Hunderte von Milliarden Euro für wichtige Investitionen. Das Bundesverfassungsgericht hatte moniert, dass Immobilien zu gering veranschlagt wurden. Das hätte sich leicht ändern lassen.

Würde Deutschland Vermögenssteuern auf Schweizer Niveau erheben, entspräche das nach Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung Einnahmen von 73 Milliarden Euro – fast das Dreifache des jährlichen Defizits aller Kommunen. Statt Stellen, Sozialausgaben und demnächst Zuschüsse für Sozial- und Kulturvereine zu kürzen, sollten sich CDU, SPD, Grüne, FDP und FWV an die Bundes- und Landesparteien wenden.

Renate Angstmann-Koch
Linke Fraktion im Kreistag

Schöne Bescherung

Kurz vor Weihnachten beschloss die Regierungskoalition noch schnell Rüstungsprojekte für 50 Milliarden Euro. Rüstungskonzerne wie Rheinmetall und ihre Aktionäre freuen sich, Kriege in aller Welt werden weiter am Laufen gehalten.

Gisela Kehrer-Bleicher, Kreisrätin
Gisela Kehrer-Bleicher, Kreisrätin

Weil Geld aber nicht zweimal ausgegeben werden kann, bleibt für den zivilen Bereich und Daseinsfürsorge immer weniger. Die Finanznot in den Kommunen wird größer, sie sollen mit Einsparungen bei Bildung, Gesundheit, Kultur und Sozialem einen genehmigungsfähigen Haushalt aufstellen.

Im Kreistag wurde der Haushalt mit den Stimmen einer großen Koalition von AfD, CDU, FWV, FDP, Grüne und SPD beschlossen. Anträge der Linken, die etwas mehr Chancengleichheit schaffen würden, wie z.B. Teilhabe an klimafreundlicher Mobilität für alle durch ein Kreissozialticket, fanden keine Unterstützung. Auf Antrag der Grünen wurden sogar noch weitere Kürzungen beschlossen: 3 Millionen weniger für Personal, Dienstleistungen und bei der Eingliederungshilfe. Dies trifft wieder diejenigen, die besonders auf Integration und Unterstützung angewiesen sind. Und im Neuen Jahr drohen weitere Kürzungen bei den Haushaltsberatungen in Tübingen.

Trotzdem schöne und friedliche Weihnachten, Zeit für Erholung und Kräfte sammeln für solidarisches Handeln im Neuen Jahr.

Gisela Kehrer-Bleicher
Kreisrätin Tübinger Linke