Gemeinderat

Rasenmäher höher einstellen

Haushaltsrede unseres stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Tom Besenfelder, im Gemeinderat am 15.01.2026

Sehr geehrte Ratskolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Herren Palmer und Soehlke, sehr geehrte Frau Schäfer-Vogel, sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, liebe Gäste,

heute ist ja die erste Gelegenheit wo wir uns zum diesjährigen Haushalt äußern können.
Von daher würd ich erstmal was zur grundsätzlichen Lange sagen.
Ihr Haushaltsentwurf vom November, Herr Palmer, zeigt uns, das die finanzielle Lage Tübingens wie in allen Kommunen landauf und landab katastrophal ist. Das ist ja auch von den anderen Fraktionen bereits erwähnt worden. Das liegt daran, dass die Einnahmen der Kommunen, allen voran die Gewerbesteuer, aber auch die Zuweisungen vom Land und die Anteile an der Einkommens- und Umsatzsteuer teils sinken, teils stagnieren oder weniger stark steigen als zuvor. Gleichzeitig wachsen die Ausgaben — Hauptgrund dafür ist aus unserer Sicht die Inflation, die Sachausgaben für die Gemeinde teurer macht und die die Reallöhne der Arbeitnehmerinnen sinken lässt. Die Gewerkschaften kämpfen aktuell darum, diese Reallohnsenkungen wieder auszugleichen und sie kämpfen für angemessene Löhne für alle Beschäftigten. Ihre Forderungen sind nicht unangemessen oder überzogen, Herr Palmer, und die Beschäftigten und Ihre Gewerkschaften sind nicht Schuld an unserer Finanzlage! Sie selbst profitieren im übrigen innerhalb der Stadtverwaltung von allen Beschäftigten am meisten von jeder Tarifsteigerung im öffentlichen Dienst.
Der richtige Weg aus dieser Krise wäre, dass Bund und Land die Finanzierung der Kommunen verbessern, in dem sie den Kommunen höhere Anteile an den Steuereinnahmen überließen. Oder indem die Vermögenssteuer wieder erhoben würde und die Ausnahmen für reiche Erben bei der Erbschaftssteuer beseitigt würden. Das würde dem Bund und den Ländern genug finanziellen Spielraum geben, um den Kommunen dauerhaft und nachhaltig zu helfen — nicht nur symbolisch über einmalige „Sondervermögen“ oder „Extra-Hilfen“.
„Nehmt das Geld den Reichen, statt bei uns zu streichen“, hieß es draußen beim Protest gegen die Kürzungen. Das kann ich nur unterstreichen.
Die Situation wäre also vermeidbar (gewesen).

Nichtsdestotrotz haben wir sie jetzt — und wir wissen auch: Das Land, dass seine Kommunen nicht auskömmlich finanziert, wird uns trotzdem zwingen, einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Das stellt uns im Gemeinderat vor eine unmögliche Wahl: Entweder Steuern erhöhen, was in Ordnung wäre, wenn es die Superreichen treffen würde, aber wir können auf kommunaler Ebene nur die falschen Steuern erhöhen. Oder eine bereits unzureichende öffentliche Daseinsvorsorge weiter zu kürzen und dabei gleichzeitig noch den städtischen Beschäftigten alles abverlangen. Wir tun uns sehr schwer damit, diese unmögliche Wahl, die vermeidbar (gewesen) wäre, zu akzeptieren. Nichtsdestotrotz haben wir mit unseren Haushaltsanträgen einen Vorschlag gemacht.

Bevor ich zu den Anträgen komme, möchte ich aber noch was zur Systematik des diesjährigen Haushalts sagen.
Dieses Jahr soll nach dem Rasenmäherprinzip gekürzt werden. Ohne zu beachten, wo überhaupt gekürzt werden kann oder wo vertragliche Verpflichtungen bestehen. Allein bei Zuschüssen für die Kinderbetreuung bei freien Trägern sollen 2,7 Millionen Euro an einer Stelle gespart werden, an der über die im KuBiS vorhin erwähnte Summe hinaus überhaupt nicht gespart werden kann – so eine Summe ist so schnell nicht auf andere Bereiche verteilt. Eine detaillierte Liste wie letztes Jahr sei dem Gemeinderat nicht zuzumuten haben einige gesagt oder gedacht hier im Raum. Wir sagen: Schon die im vergangenen Jahr beschlossenen Kürzungen haben zu einschneidenden Veränderungen für die Tübingerinnen geführt: Höhere (Kita-)Gebühren, höhere Grundsteuer, neue Gebühren (Schulkindbetreuung), gestrichene Buslinien, steigende Ticketpreise … Wer da jetzt noch weiteren Kürzungen (in Höhe von 22 Millionen!) zustimmt, ohne zu wissen, worum es genau geht, gibt das Königsrecht des Gemeinderats, die Haushaltsplanung, an den Bürgermeister ab. Es sollen zwar die Vorschläge der Fachbereiche, wo genau gekürzt werden soll, hier im Rat besprochen werden, aber wenn der Haushalt dann mal beschlossen ist, wird ein Zurückrudern schwierig bis unmöglich sein. Ich vermute: Wir werden dann einige Situationen erleben, in denen die Mehrheitsfraktionen hier dann mit den viel gerühmten Bauchschmerzen bei Dingen der Kürzung zustimmen, die sie eigentlich gerne erhalten hätten, aber die finanzielle Kürzung dahinter schon mit dem Haushalt beschlossen haben.

Wir kritisieren also auch die Systematik des Haushaltsentwurfs. Wir hatten aber gar keine andere Wahl, als sie uns für unsere Anträge zu eigen zu machen:
Vor allem plädieren wir nämlich dafür, die Verbesserungen, die sich gegenüber dem Haushaltsentwurf durch die Herbststeuerschätzung und die geringer ausfallende Kreisumlage ergeben haben, zu nutzen, um den Rasenmäher etwas höher einzustellen und von der wichtigen Leistungsfähigkeit der Stadt noch mehr vom Grashalm stehen zu lassen, aus dem dann im kommenden Jahr wieder viel wichtiges erblühen kann. Vor allem die Personalkürzungen können wir, so, wie sie vorgeschlagen sind, nicht akzeptieren: Es klingt einfach, 13% beim Personal einzusparen. Aber es steckt viel dahinter: Die Personalkostenplanung beruht ja auf den Stellen, die wir bei der Stadt haben, und die wir im Normalfall auch alle besetzen, weil wir sie nur im Stellenplan haben, wenn wir sie wirklich brauchen. In der sogenannten Personalkostenplanung sind dann nach meiner Kenntnis sogar auch schon geringe Fluktuationen, die es bei über Zweitausend Beschäftigten immer gibt, eingerechnet. 13% Sparen geht also vor allem, in dem permanent 13% der Stellen nicht besetzt sind — das wäre jede siebte! Das hat verheerende Auswirkungen in den Abteilungen. Laut Ihrer Aussage bei der Haushaltslesung, Herr Palmer, müssten sie die Wiederbesetzungssperre auf neun Monate verlängern, um die Sparsumme zu erreichen. Dass dann z. B. Beschäftigte, die in einer Abteilung mit vier Leuten arbeiten, in dem Moment, wo eine Kollegin in den Ruhestand geht, überlegen, ob sie selbst auch kündigen, weil es so zermürbend ist, über ein Dreivierteljahr die Arbeit von vier Leuten zu dritt zu machen, das ist ja logisch. Aber genau das können wir doch nicht wollen! Dadurch, dass die Verbesserungen im Haushalt sich auf über fünf Millionen summieren, müsste der Haushalt auch dann noch genehmigungsfähig sein, wenn man bei den Personalkosten 5 Millionen weniger kürzt. Andernfalls wäre nämlich auch Ihr ursprünglicher Entwurf, Herr Palmer, auch auf keinen Fall genehmigungsfähig gewesen.

Außerdem fordern wir mehr Ehrlichkeit: In der aktuellen Finanzlage wird es auch mittelfristig keinen Konzertsaal geben. Am Personal und der öffentlichen Daseinsvorsorge sparen und gleichzeitig teure Prestigeprojekte für ein eher gutverdienendes Doktoren- und Professorenpublikum weiterzuverfolgen, ist nicht ehrlich und deshalb beantragen wir die Streichung des Konzertsaals. Und an die FDP gewandt muss ich da sagen: Gleichzeitig einen interfraktionellen Antrag zu unterschreiben, der fordert, die Verbesserungen im Haushalt nicht zu verplanen, und dann trotzdem selbst Anträge zu stellen, die die Mittel verplanen, das ist auch überhaupt nicht ehrlich.
Zu den Anträgen der Grünen: Neben der Erwirtschaftung von Kredit und Tilgung ist eine Genehmigungsherausforderung im Haushalt die Gesamtsumme der Kredite. Dass uns das Regierungspräsidium erlaubt, Schulden aufzunehmen, die die GWG auch selbst aufnehmen könnte, sie verbilligt weiterzugeben und die Zinsdifferenz selbst zu bezahlen, ist doch eher zweifelhaft. Und wie das mit dem „Fond“ haushaltsrechtlich gehen soll, da bin ich auch gespannt. Zur CDU: Auch die Ermöglichung von Hybridsitzungen durch die Installation von Kameras im Ratsaal, würde für einzelne, vielleicht vulnerable Stadträtinnen und Stadträte die persönliche Sicherheit erhöhen, weil wir uns dann alle überlegen könnten, hybrid teilzunehmen, falls wir eine ansteckende Krankheit haben.

Und ja, liebe Grüne, für uns sind Steuererhöhungen nicht pauschal falsch: Eine Erhöhung der Gewerbesteuer auf ein vertretbares Niveau von 435 Punkten, wie wir sie schon im Sommer gefordert haben, würde uns außerdem den Spielraum verschaffen, auf Kürzungen bei den Zuschüssen an Vereine und freie Träger im Sozial-, Integrations-, Kultur-, und Bildungsbereich zu verzichten. In diesen Bereichen, wo in Tübingen mit tausenden von Stunden ehrenamtlichen Engagement so viel für die Gesellschaft geleistet wird, ist jeder Euro ein Vielfaches seiner selbst wert. Kürzungen würden ausgerechnet jetzt in schwierigen Zeiten das Engagement bremsen — das kann sich unsere Gesellschaft nicht leisten!

Wir hoffen also, dass es einen Weg geben wird, in den Verhandlungen den Rasenmäher nochmal deutlich höher einzustellen, wir hätten (mit unseren Anträgen) das notwendige Werkzeug dabei.

Bauturbo

Stellungnahme unseres Stadtrats Tom Besenfelder zum „Bauturbo“, im Gemeinderat am 18.12.2025

Tom Besenfelder, Stadrat
Tom Besenfelder, Stadrat

Es handelt sich beim Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus um ein grundsätzlich sinnvolles Gesetz der Bundesregierung. Da der Tübinger Gemeinderat regelmäßig Resolutionen an den Bund richtet und auch der Oberbürgermeister sich mit Forderungen nicht zurückhält, sind wir verpflichtet, wenn mal sinnvolle Gesetze kommen, diese schnell umzusetzen. Die Verwaltung hat heute gute Vorschläge vorgelegt, wie die Umsetzung, v. a. im Innenbereich zur Nachverdichtung und zur Befreiung von überholten Vorschriften genutzt werden kann.

Unserer Ansicht nach muss die Befreiung von Regelungen aber mit sozialem Wohnungsbau verbunden sein. Das macht das Gesetz auch bundesweit problematisch, weil CDU und SPD aus dem ursprünglichen Entwurf des neuen Paragraphen 246e BauGB die Mindestzahl an Wohneinheiten pro Gebäude gestrichen haben, und weil das Gesetz in seiner Wirksamkeit auf alle Kommunen, nicht nur auf die mit angespanntem Wohnungsmarkt, erweitert wurde, womit es zum Flächenfraßparagraphen wurde – es kann jetzt auch für die Errichtung lockerer Einfamilienhausgebiete an ökologisch kritischen Orten verwendet werden. Aber bei uns in Tübingen werden wir das gut anwenden und damit keine Außenentwicklung betreiben.
Wir sind gespannt, was kommen wird, und merken an, dass, damit das Gesetz allen Schichten der Gesellschaft zugute kommt, die Mieten, die in den dann entstehenden Gebäuden kommen, begrenzt werden müssen.

Das bisschen Haushalt

Tom Besenfelder, Stadrat
Tom Besenfelder, Stadtrat

„Das bisschen Haushalt macht sich von allein“, sang 1977 Johanna von Koczian. Ähnliches scheinen sich die großen Fraktionen im Tübinger Gemeinderat aktuell zu denken. Nachdem sich die Haushaltsberatungen letztes Jahr um eine 300 Zeilen lange Kürzungsliste drehten und über Tage hinzogen, wollen Oberbürgermeister Boris Palmer und seine Mehrheit nun einen Haushalt beschließen, in dem nach dem Rasenmäherprinzip über alle Bereiche hinweg gekürzt wird.

Ohne zu beachten, wo überhaupt gekürzt werden kann oder wo vertragliche Verpflichtungen bestehen. Zwar seien – immerhin – betriebsbedingte Kündigungen weiter ausgeschlossen, doch trotzdem sollen beim Personal 16 Mio. Euro (13 Prozent) gespart werden – wie soll das gehen? Allein bei Zuschüssen für Kinderbetreuung sollen 2,7 Millionen Euro an einer Stelle gespart werden, an der überhaupt nicht gespart werden kann – so eine Summe ist so schnell nicht auf andere Bereiche verteilt. Eine detaillierte Liste sei dem Gemeinderat nicht zuzumuten gewesen, so die Verwaltung. Einige freuen sich daher schon auf entspannte Beratungen. Fürchten sollten sie sich aber vor den Monaten danach: Denn da will sich die Verwaltung nach und nach überlegen, wie die Kürzungen erreicht werden können. Schon die im vergangenen Jahr beschlossenen Kürzungen führten zu einschneidenden Veränderungen für die Tübingerinnen: Höhere (Kita-)Gebühren, neue Gebühren (Schulkindbetreuung), gestrichene Buslinien, steigende Ticketpreise …

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Bebauungsplan Schaibleshalden (Hagelloch)

Antrag:

Der Aufstellungsbeschluss wird vertagt.

Die Verwaltung wird gebeten, einen alternativen Vorentwurf vorzulegen, in dem die Dichte der Bebauung auf 120 EW/ha gesteigert wird. Wenn dafür einzelne Gebäude höher sein müssten als II+D, soll in vertretbarem Maß höher geplant werden.

Der angestrebte Anteil an gefördertem Wohnungsbau wird auf 50% erhöht. Bestehende Rückkaufansprüche werden zunächst im “Freien Segment“ untergebracht (andere Hälfte). Sollte dieses Segment nicht ausreichen, wird die Quotierung von 50% entsprechend reduziert. (Regelung wie im bisherigen Baulandbeschluss)

Zukünftige Bebauungspläne für Baugebiete in Ortsteilen sollen so weitergeplant werden, dass die Dichte in der Regel über 120 EW/ha liegt und der Anteil an gefördertem Wohnungsbau bei 50% liegt. Der Baulandbeschluss wird neu diskutiert.

Begründung:
Wir fordern eine dichtere Bebauung als vorgesehen, die aber immer noch sehr locker wäre im Vergleich zu Bauprojekten in der Kernstadt. So könnte man den gesamtstädtischen Flächenverbrauch reduzieren. Außerdem halten wir es für dringend geboten, einen höheren Anteil an (geförderten) Mietwohnungen vorzusehen. Die Mietpreise in Tübingen steigen weiter in schwindelerregende Höhen und wenngleich wir dem Problem mit Bauen allein nicht beikommen
werden, müssen wir, wenn wir schon bauen, zumindest möglichst viele geförderte Mietwohnungen bauen. Es wäre auch denkbar, einzelne Reihenhäuser als Mietimmobilien zu planen.
Die Rechte der Rückkäufer müssten natürlich zuerst bedient werden.

Zwar wird, was die Dichte und den Anteil an gefördertem Wohnraum angeht, schon lange mit den hier in Hagelloch vorgesehenen Zahlen gearbeitet. Zu Recht geht man in Hagelloch daher davon aus, dass das Bebauungsplanverfahren jetzt zügig voranschreitet. Die letzten Beschlüsse im Gemeinderat zu diesen Kennzahlen sind aber eben auch schon sehr lange her und die Klima- und die Wohnungskrise haben sich weiter massiv verschärft. Deshalb tun wir uns mit der vorgelegten Planung sehr schwer.

Der Baulandbeschluss muss unserer Ansicht nach generell aktualisiert werden. Unter anderem sollten zukünftige Wohnbauvorhaben in der Stadt Tübingen immer mit 50% geförderten Mietwohnungen geplant werden. Nicht nur für Hagelloch, sondern auch in Bezug auf die anderen Teilorte (Hirschau, Kilchberg, Weilheim) müssen die bisherigen Planungen für die Baugebiete hinterfragt werden.

Eine Erhöhung der Dichte auf 120 EW/ha würde ca. 11 zusätzlichen Wohneinheiten entsprechen.

Abseits theoretisch möglicher Bewohnerzahlen pro Hektar müssen städtebauliche und Aspekte der Siedlungsentwicklung mitbedacht werden. Auch wenn der Prozess zu diesem Bebauungsplan Jahre gedauert hat, muss bedacht werden, dass diese Häuser für viele Generationen, für viele Jahrzehnte errichtet werden. Dieses Neubaugebiet bedient im vorliegenden Entwurf in erster Linie konventionelle und eher unflexible Wohnformen. Rechnerisch kann die Zahl von 100 EW/ha zwar erreicht werden. Praktisch aber mit dieser Einzelhausstruktur nicht unbedingt dauerhaft, wie man beim Blick auf viele ähnliche Wohngebiete erkennen kann. Im benachbarten WHO z.B. wohnen derzeit viel weniger Menschen als das Potenzial. Vor 50 Jahren, in der Aufsiedlung, waren es junge Familien. Heute leben in vielen zu groß gewordenen Wohnungen und Häusern Ein- und Zwei-Personen-Haushalte.

Hagelloch ist kein einsames abgelegenes Dorf auf der Schwäbischen Alb, es ist nicht mehr geprägt von Landwirtschaft und Bauernhöfen, sondern von vielfältigen direkten Beziehungen zu Tübingen, mit den Vorzügen des Schönbuchs, dem Wohnen im Grünen und der unmittelbaren Nähe zur Stadt.
Im Ortskern ist der dörfliche Charakter optisch erhalten. Die Nahversorgung hat sich zur Einzelhandelsagglomeration der Weststadt verlagert, die im Regionalplan festgehalten ist und in der Fortschreibung des Regionalplans 2023 vergrößert wurde. Von den Wohnpreisen und der Einwohnerstruktur ist es faktisch ein abgesetzter Stadtteil Tübingens, der deshalb wie Lustnau oder
Derendingen betrachtet und daher etwas dichter entwickelt werden kann. Wir plädieren dafür, an einzelnen Stellen mehr als II+D Geschosse vorzusehen, zum Beispiel im tiefer liegenden Bereich in der Kurve der Kreisstraße. Unterschiedlich Gebäudehöhen wirken auch gegen die vielerorts triste Monotonie von Neubaugebieten. Im Ortskern selbst gibt es viele Gebäude, die eine größere Geschossigkeit aufweisen.

Für Die Fraktion: Jürgen Eichenbrenner
Für die Linke-Fraktion: Tom Besenfelder
Für die Klimaliste: Jana Krämer

Änderungsanträge zum Klimaschutzprogramm (KSP)

Die Linke-Fraktion beantragt die umseitig aufgeführten Änderungen.

Begründung:
Der größte CO2-Emittent in der Stadt Tübingen ist das Land mit seinen Einrichtungen. Da auch das Land Teil der öffentlichen Verwaltung ist, sollte es in allen Kapiteln, wo es einen Beitrag leisten muss, als separater Beteiligter genannt und in die Pflicht genommen werden, wie es in manchen Kapiteln des KSP auch schon der Fall ist.

Den Satz über den ticketlosen ÖPNV sollte man aus der Einleitung von M2 streichen, weil in Maßnahme II. des Kapitels M2 geschrieben wird, dass genau die Frage der Klimaschutzwirkung des ticketlosen ÖPNV noch evaluiert werden soll.

Darüber hinaus hat letztes Jahr ein Gutachten zum Klimaschutzprogramm deutlich gemacht, dass wir das Ziel nur mit deutlich erhöhten Anstrengungen erreichen werden bzw. ihm möglichst nahe kommen werden. Die Entscheidung, dass das Ziel jetzt nur noch symbolisch erhalten werden soll, darf nicht dazu führen, dass wir nicht versuchen, möglichst nahe dran zu kommen. Daher sollten die Empfehlungen aus dem Ergänzungs-Szenario des Gutachtens möglichst ins KSP übernommen werden. Die Ausweitung der Parkraum­be­wirt­schaftung auf die Teilorte und die Anhebung der Bewohner­park­ausweis­gebühren ist ein Beispiel für die Empfehlung, möglichst bald möglichst viele kostengünstige Maßnahmen (sogenannte Low-Hanging-Fruits) umzusetzen.

Wir halten den von uns zur Änderung vorgeschlagenen Satz der Präambel für einen der wichtigsten in der Neuauflage des KSP. Die vorgeschlagene Formulierung „Zielerreichung/verneinte“ ist ein bisschen kompliziert. Hier sollte eine eindeutigere Formulierung stehen.

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Deutschlandticket muss günstiger statt immer teurer werden!

Frederico Elwing, Linke-Stadtrat
Frederico Elwing, Linke-Stadtrat

Es ist gut, dass es das Deutschlandticket gibt. Aber: es ist jetzt schon viel zu teuer und Bundesregierung und Landesregierung sorgen dafür, dass es immer teurer und damit unattraktiver wird. Das ist unsozial und schadet dem Klima. Je günstiger der öffentliche Nahverkehr ist, desto leichter fällt es den Menschen, ihn zu nutzen. Wir finden es richtig, dass die Preissteigerungen für Menschen mit Kreisbonuscard ein Stück weit abgefedert werden. Eigentlich wäre ein bezahlbares Sozialticket Aufgabe von Bund und Land.

Wir wissen: jede Preissteigerung beim Deutschland-Ticket führt zu Abokündigungen. Das trifft nicht nur die Menschen, die sich das Ticket nicht mehr leisten können oder wollen, sondern auch das Ziel, mehr Verkehr weg vom klimaschädlichen vom Auto und hin zum klimaschonenden öffentlichen Nahverkehr zu bringen. In Anbetracht der Klimakatastrophe ist das grundfalsch. Im Falle von Tübingen schadet es konkret den Zielen unseres Klimaschutzprogramms.

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Eine zu kurze Saison

Mittwochspalte (im Tagblatt) unserer Gemeinderätin Gitta Rosenkranz

Gemeinderätin Gitta Rosenkranz
Gitta Rosenkranz, Stadträtin

Für alle Schwimmerinnen und Schwimmer, für große und kleine Rutschbahnfans, für Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können oder einfach einen schönen Ort zum Entspannen möchten, ist die Freibadsaison wie eine 5. Jahreszeit in Tübingen. Die Saisonkarte ist trotz gestiegener Preise noch erschwinglich, auch für Menschen mit geringem Einkommen, da diese die Karten über die KBC ermäßigt bekommen. Bislang galt die Saisonkarte immer vom ersten Tag der Öffnung bis zum Schließtag, meist am Stadtlaufwochenende oder Ende September.

Doch dieses Jahr galt die Saisonkarte nur bis Ende der Schulferien. Danach sollten die Besucher den Eintritt per Einzelkarte zahlen. Eine ganz schlechte Idee, liebe Stadtwerke. Warum hat man die Saisonkarten nicht gleich um 2 Euro teurer verkauft? Dies hätten die meisten Nutzer verstanden, zumal 2 oder auch 3 Euro mehr für die ganze Saison verkraftbar sind.

Die SWT hätten so zuverlässig am Anfang der Saison Einnahmen generieren können, um gestiegene Personal- und Energiekosten zu finanzieren. Doch damit nicht genug. „Spontan“ wurde das Freibad, trotz des schönen Wetters in der darauffolgenden Woche ganz geschlossen, obwohl das Hallenbad Nord noch nicht geöffnet hatte.

Gerade bei den aktuellen Sparmaßnahmen, die viele Menschen der Stadtgesellschaft betreffen, ein Hallenbad Süd, das momentan nicht gebaut werden kann, viel zu wenig Schwimmflächen in Tübingen und nicht zu vergessen, die dringende Notwendigkeit von Schwimmunterricht (danke an alle engagierten Menschen, die dies den Sommer über im Freibad umgesetzt haben), sollte abgewogen werden, wo und mit welchem realen Gewinn gespart wird.

Schwimmen im Freibad und in anderen Bädern ist mehr als bloße Bewegung im Wasser: Es ist für viele Menschen ein Ort der Begegnung (gerade im Sommer), der gesundheitlichen Eigenfürsorge und macht einfach Spaß!

Deshalb eine Bitte an alle Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger: Sorgt dafür, dass es nächstes Jahr wieder eine schöne, lange Freibadsaison gibt, mit einer bezahlbaren Saisonkarte, die ihren Namen verdient, und setzt euch für genügend Schwimmflächen ein. Zum Schluss möchte ich noch einen Dank an das Personal des Freibades richten: Ihr wart wie immer freundlich und kompetent, habt unser Bad sauber gehalten und für unsere Sicherheit gesorgt. Danke dafür.

Öffentliche Aufgaben unter demokratische Kontrolle

Sara da Piedade Gomes, Stadträtin
Sara da Piedade Gomes, Stadträtin

Wir, die Linke, haben uns in der Vergangenheit gegen die Gründung der Tourismus-GmbH ausgesprochen – und das aus guten Gründen.

Die GmbH entzieht öffentliche Aufgaben der demokratischen Kontrolle. Entscheidungen über die Verwendung von sehr Höhe Steuerfinanzierte Beträge, über die Ausrichtung von Tourismuspolitik, über Investitionen und Personal dürfen nicht in Geschäftsführungsrunden hinter verschlossenen Türen getroffen werden, sondern gehören in den Gemeinderat – und damit in die Öffentlichkeit.

Wir lehnen die Privatisierung solcher Aufgaben ab. Denn eine GmbH muss per Gesetz wirtschaftlich handeln, nicht dem Gemeinwohl dienen. Sie ist nicht dem Klimaschutz verpflichtet. Sie ist nicht zuständig für Mieterschutz. Genau das aber sollte die Stadt beim Thema Tourismus mitdenken. Mehr erfahren

Auf Strafanträge bei Fahren ohne Fahrschein verzichten

Sara da Piedade Gomes, Stadträtin
Sara da Piedade Gomes, Stadträtin

Die Kriminalisierung des Fahrens ohne Ticket trifft vor allem arme Menschen. Menschen, die sich kein Monatsticket leisten können, die zwischen Antrag auf Sozialleistung und Bewilligung stehen, die psychisch belastet oder wohnungslos sind.

Die Strafe für das Fahren ohne Fahrschein ist eine Geldstrafe – doch wer kein Geld hat, kann sie nicht bezahlen. Die Folge: Ersatzfreiheitsstrafen.

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Mehr Klassenkampf wagen

Gerlinde Strasdeit
Gerlinde Strasdeit, Linke-Fraktion im Gemeinderat
Ein Stadtoberhaupt begleitet die städtischen Müllbeschäftigten bei ihrem Einsatz. Die Abfallentsorgung bleibt in öffentlicher Hand. Die hart arbeitenden Leute erhalten einen auskömmlichen Lohn nach Kommunaltarif. Respekt, aber leider (!) stammt diese Erfolgsmeldung nicht aus Tübingen, sondern aus Kaufbeuren in Bayern. Die Privatisierung der Tübinger Müllabfuhr bedeutet für die zukünftigen Beschäftigten Tarifflucht und Niedriglöhne. Die Stadt hat den Servicevertrag gekündigt. OB Palmer tritt lieber nach unten. Landrat Walter lehnt den Antrag der Linken zur Gründung einer Kommunalanstalt ab. Das ginge nicht. Das Rechtsgutachten einer Fachkanzlei sieht das anders. Wie auch immer: Privatisierung darf nicht die Antwort sein. Die Abfallentsorgung mit privaten Anbietern ist teurer, unsozialer und weniger umweltfreundlich. Andere Fraktionen tragen den Beschluss der Verwaltung brav mit.
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Bund und Land erzwingen Steuererhöhungen

Tom Besenfelder, Stadrat
Tom Besenfelder, Stadrat
Um mal wieder ganz von vorne anzufangen: Warum sind wir heute eigentlich hier? Bund und Land schmeißen der Rüstungsindustrie, den Superreichen und den Spitzenverdienern Milliarden in Form von überteuerten Vergaben, Steuersenkungen und Subventionen hinterher und verschieben die notwendigen Staatsausgaben immer mehr zu den Kommunen. Der Trend, Aufgaben zu schaffen ohne sie auszufinanzieren, wurde bisher immer noch nicht umgekehrt, wenn überhaupt, scheint er sich zu verlangsamen.

Was jüngst wie eine Umkehr aussah, war in Wirklichkeit keine: Die Bund-Länder-Einigung Anfang der Woche zum Beispiel: Der Bund gleicht hier nur aus, was er uns noch zusätzlich wegnehmen wollte, man feiert sich in Berlin dafür, uns Geld zu geben, von dem wir bisher davon ausgehen mussten, dass es uns zur Verfügung stünde. Das ist also zwar ausnahmsweise mal keine staatliche Zechprellerei, bei der bestellt und nicht bezahlt wird, aber die unbezahlten Rechnungen der Vergangenheit bleiben dabei definitiv weiter unbeglichen.
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Antrag zur Abmilderung des Mietenwahnsinns in Tübingen

Tübingen, den 06.06.2025

  1. Um Zweckentfremdung durch Leerstand besser verfolgen zu können und um die Meldung von Leerstand zu erleichtern, wird ein Leerstandskataster mit Meldemöglichkeit ähnlich wie in Freiburg eingerichtet bzw.,  falls ein vergleichbares Leerstandsmanagement schon besteht, werden die Informationen ähnlich wie in Freiburg öffentlich zugänglich gemacht.
  2. Um die Meldung von überhöhten Mieten zu erleichtern, wird der landesweit vorbildliche Mietspiegelrechner der Stadt so umgestaltet, dass Nutzer*innen, wenn sie möchten, ihre aktuelle Nettokaltmiete angeben können. Wenn dann am Ende eine Miete angezeigt wird, die deutlich niedriger ist (so, dass möglicherweise eine überhöhte Miete vorliegt), sollen die Nutzer*innen sich mit wenigen Klicks direkt im Mietspiegelrechner an die Mietrechtsberatung der Stadt wenden können.
  3. In der Zweckentfremdungsverbotssatzung wird in § 3 Abs. 1 der Punkt: „ 4. wenn der Wohnraum überwiegend für gewerbliche oder berufliche Zwecke verwendet oder überlassen wird“ eingefügt.
  4. Die Stadtverwaltung berichtet bis Ende des Jahres über folgende Punkte:
  • Die Arbeit der Mietrechtsberatung im ersten Jahr
  • Warum in den letzten Jahren kein Wohnraumbericht mehr erstellt wurde und ob geplant ist, wieder einen vorzulegen
  • Ob geplant ist, den Baulandbeschluss in seiner jetzigen Form aufrechtzuerhalten oder ob eine neuerliche Abwägung sinnvoll wäre
  • Warum die Summe des in Tübingen ausgezahlten Wohngelds sich von 2022 auf 2024 mehr als verdoppelt hat
Tom Besenfelder, Gemeinderat
Tom Besenfelder, Gemeinderat

Die Linke-Fraktion stellt fest, dass Tübingen im Landesvergleich viele Instrumente bereits nutzt, um als Kommune die Mieten zu senken und Menschen mit zu hohen Mieten zu helfen.

Die Bundesregierung sitzt beim Problem der viel zu hohen Mieten am längsten Hebel und müsste dringend etwas gegen den Mietenwahnsinn in Deutschland tun.

Aber auch in Tübingen, wo wir immer noch mit die höchsten Mietpreise in ganz Baden-Württemberg haben, können wir noch mehr tun. Dass Menschen 30-50% ihres Einkommens für die Miete ausgeben, ist nicht akzeptabel. Insbesondere bräuchte es mehr Personal, um gegen überhöhte Mieten vorzugehen. Das ist wegen der Haushaltslage kurzfristig nicht machbar, muss aber mittelfristig eine hohe Priorität bleiben. Die Verfolgung von überhöhten Mieten ist eine Pflichtaufgabe.

Die oben aufgeführten Punkte haben sich in anderen Städten bereits als zusätzliche Instrumente zur Schaffung / Bewahrung von Wohnraum bzw. zur Unterstützung von Mieter*innen bewährt. In Tübingen wären sie unserer Meinung nach eine sinnvolle Ergänzung. Eine Erleichterung der Meldung überhöhter Mieten hälfe auch dabei, einen Überblick über die Mietsituation in der Stadt zu behalten.

Link zum Leerstandkataster Freiburg: https://www.freiburg.de/pb/1379970.html

Für die Linke-Fraktion

Tom Besenfelder

 

Erhalt der kommunalen Daseinsvorsorge

Gerlinde Strasdeit
Gerlinde Strasdeit, Linke-Fraktion im Gemeinderat

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Palmer, sehr geehrter Herr erster Bürgermeister Soehlke, sehr geehrte Sozialbürgermeisterin Frau Dr. Schäfer-Vogel

Wir alle wissen, was Spitzenbeamte und Aufsichtsräte verdienen, und wir wissen, was Manager in Konzernetagen beziehen.

Ich frage mich, wie abgehoben müssen Verwaltung und Gemeinderäte sein, dass die Abfallbeschäftigten der Stadt für ihre schwere Arbeit – bei Hitze und Kälte -, zukünftig nur noch Mindestlohn bekommen sollen, – in einer Stadt mit hohen Lebenshaltungskosten und hohen Mieten. Ich frage mich, warum wir uns als Kommune an dieser asozialen Abwärtsspirale mit eingebauter Tarifflucht beteiligen sollen. Die bisherigen Beschäftigten der Kommunalen Service Betriebe Tübingen sind zwar abgesichert und werden in andere Bereiche übernommen. Soweit gut. Für Leiharbeiter gilt das aber nicht, – für befristete Beschäftigte auch nicht.

Die zukünftigen Müllbeschäftigten verlieren dann ihre tariflichen Absicherungen. Mehr erfahren

Keine private Müllabfuhr!

Sara da Piedade Gomes, Stadträtin
Sara da Piedade Gomes, Stadträtin

Am 1. Mai, dem internationalen Kampftag der Arbeiter*innenklasse, stehen wir an der Seite der Beschäftigten der Müllabfuhr. Ihr Dienst ist unverzichtbar, doch ihre Arbeitsplätze und die öffentliche Daseinsvorsorge sind durch die drohende Privatisierung gefährdet. Zum dritten Mal will die Stadtverwaltung unter Palmer die Müllabfuhr an private Konzerne übergeben. Zweimal konnten wir das bereits verhindern – weil wir laut und viele waren.

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